Handdruck

Die uralte Geschichte einer jungen Tradition

Wie die über 1000-jährige Handdruck-Geschichte durch eine großbürgerliche Wienerin zu einer beliebten Tradition im Land der Narzissen-Königinnen wurde.

©Helge Kirchberger/Handdrucke Sekyra

Eine 1000-jährige Geschichte
Der Handdruck blickt in unserem Kulturraum auf eine rund 1000-jährige Geschichte zurück. Stoffe, altertümlich auch „Zeug“ genannt, mittels Druckmodel zu bedrucken, wurde in Europa von zwei markanten Entwicklungsstufen mit einem zeitlichen Unterschied von rund 700 Jahren geprägt. Beide Male kommen die Impulse aus Indien bzw. Südost – Asien.

Erstmals kommt der Zeugdruck im Altertum am Landweg über die Völker des Schwarzen Meeres nach Byzanz und weiter über Oberitalien bzw. über die maurischen Reiche in Sizilien und Spanien in unsere Breiten. Obwohl keine genauen Hinweise überliefert sind, wird angenommen, dass die Entstehungszeit der ersten deutschen Zeugdrucke mit dem Ende des ersten Jahrtausends anzusetzen ist.

Die Kunst des vornehmlich bunten Zeugdruckes wird in Klöstern tradiert und verfeinert. Im späteren Mittelalter entsteht durch die verwandte Drucktechnik eine Wechselbeziehung vom Zeugdruck mit den Vorformen des Buchdruckes. Es ist anzunehmen, dass die Formenschneider und Modelstecher sowohl für die Zeugdrucker als auch für die Buchdrucker gearbeitet haben. Der wachsende Wohlstand des 16. Jahrhunderts – Samt und Seide kommt allseits in Mode - bringt einen Verfall des einmal hoch kultivierten Zeugdruckes mit sich. Die immer kleiner werdende Zunft findet ihre Abnehmer zusehends in der ärmeren bäuerlichen Bevölkerung.

Die „Indiennes“ erobern Europa
Mit der Entdeckung der Seewege im 17. Jh. beginnt die zweite bedeutende Entwicklungsstufe. Aus Ostindien kommen über Holland völlig neuartige blauweiße und bunt gemusterte, bemalte! Stoffe, so genannte „Indiennes“ nach Europa. Dieses „indische Zeug“ wird innerhalb kurzer Zeit in ganz Europa modern. Begierig werden die neuen „Kattune“, benannt nach dem arabischen Wort „Katon“ für Baumwolle, gekauft. Heimische Wollspinner und Weber müssen zu Recht um ihre Existenz fürchten und die Zeug-Druckereien sind geradezu herausgefordert, dieser neuen Mode Rechnung zu tragen und mit ihren Modeln und Möglichkeiten die Designs der indischen Drucke nachzuahmen.

Ab 1678 entstehen große Kattundruckereien in Holland, Frankreich, England, Deutschland. 1759 wird die erste große industrielle Zeug-Manufaktur der Österreich - Ungarischen Monarchie im niederösterreichischen Friedau mit rund 3500 Arbeitern eingerichtet. Der Buntdruck wird mechanisiert, aus Druckmodel werden Druckwalzen und in Verbindung mit den Errungenschaften der Farbchemie entsteht die europäische Textilindustrie. In den heutigen Trachtenstoffen finden sich noch viele Muster dieser Manufakturen, die bis spät ins 19. Jh. hinein groß in Mode sind.

Der Ausseer Handdruck – eine junge Tradition
Wenngleich der Ausseer Handdruck in seiner heutigen Form in keinem historischen Zusammenhang mit den alten Techniken der Zeug- bzw. Blaudrucker steht, sind dessen Ursprünge dennoch darin zu finden. Auch bei ihnen finden sie heute noch Drucktisch, Chassis (eine Art Stempelkissen), Streichbürste, Streichbrett und vor allem die vielfach noch in Gebrauch stehenden alten Druckmodel, Werkzeuge, wie sie auch von den Zeug- bzw. Blaudruckern verwendet wurden. Apropos Druckmodel: Nach ihrer Herstellung sind vier Modeltypen zu unterscheiden. Die reinen Holzmodel aus widerstandsfähigem Obstbaum- Linden- oder Buchsbaumholz, Model aus Holz in Kombination mit eingesetzten Messingstiften und Messingstreifen, Model, deren Musterungen ausschließlich durch Messingstifte und –streifen zusammengesetzt werden und aus Metall gegossene Druckmodel.

Eine Wiener Industriellenfamilie
Es wird Sie vermutlich sehr überraschen zu hören, dass der Ausseer Handdruck nicht zu den alten Traditionen in Aussee gehört, ja, dass seine Geschichte zeitlich durchaus überschaubar ist und wir seine Existenz einer Frau, genauer gesagt, einer Wienerin aus großbürgerlichem Hause verdanken. Sie lebte eine glückliche Beziehung mit ihrem Mann, dem aus einer wohlhabenden jüdischen Wiener Industriellenfamilie stammenden Conrad David Mautner (1880–1924), dessen Begeisterung für das Ausseerland vielfach dokumentiert ist. Die Sommer verbrachte die Familie in Gössl am Grundlsee.

Es war noch vor 1930, die goldenen Zwanziger Jahre sind vorbei, als eine Wirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes die Welt erschütterte. Die damals jung verwitwete Anna Mautner (1873-1961) hatte vier Kinder zu ernähren und musste sich aufgrund des rapide schwindenden Erbes um einen Broterwerb umsehen, um nicht von der Großherzigkeit der Verwandten abhängig zu werden. Aber was kann eine „Dame der Gesellschaft“ schon wirtschaftlich anbieten? Schließlich war ihr Leben angelegt auf großbürgerliche Haushalts- und Familienführung, auf die Betreuung sozialer Netzwerke und auf gesellschaftliche Kommunikation. Sie entdeckte ihre Liebe zum Textil-Handdruck und besorgte sich auf unterschiedliche Art und Weise Handwerkszeug und Wissen für diese künstlerisch kreative Tätigkeit.

Zur Geburtsstunde des Originals
Am 14.11.1935 meldete Anna Mautner das freie Gewerbe für eine Handdruckerei auf Stoffen an Dies kann als Geburtsstunde des Ausseer Handdruckes gesehen werden. Am Heuboden im so genannten Schanzl-Rossstall wurde der Drucktisch aufgestellt und die Küpenfärberei im Erdgeschoß des Rossstalles als vorerst reine Leinen – Blaudruckerei eingerichtet. In Folge entsteht der Mautnersche Buntdruck – ein Positivdruck verschiedener Farben und Muster übereinander. Reine Seide wird zur textilen Grundlage und in Anlehnung an alte Motive aus Wiener Seidenwebereien entstehen völlig neuartige Stoffdessins. Das künstlerische Talent, ihr untrügliches Gespür für außergewöhnliche, und dennoch mit der Tracht harmonisch im Einklang stehende Muster- und Farbkombinationen finden bei Einheimischen und Sommerfrischlern großen Anklang. Die bewegte Geschichte der Mautner-Drucke vor, während und nach der NS-Diktatur ist in der Dokumentation „Die Ausseer Handdrucker“, herausgegeben 2011 von den Freunden des Salzburger Adventsingens festgehalten.

Die wundersame Vermehrung
Am Faschingsdienstag 1960 übernahm Mirzl Prisching als ehemalige Mitarbeiterin von Anna Mautner im Beisein von Tobi Reiser, dem Leiter des Salzburger Heimatwerks die Grundseer Handdruckerei. In den 1970er Jahren steigt das Konjunkturbarometer auf Höhenflug. Auf Tracht und Trachtenmode kommen goldene Zeiten zu, weitere Handdruckereien entstehen, deren bunte Stoffe, Tücher und Accessoires bis heute im gesamten Alpenraum beliebt sind.

Ein erfolgreiches Kleeblatt
Gegenwärtig üben folgende vier tüchtige Ausseer Unternehmerinnen und Unternehmer die rund 1000-jährige Tradition des Textilhanddrucks aus.

Ausser Handdrucke - Markus Wach – im Salzburger Heimatwerk erhältlich
Seidenhanddruck - Sepp Wach – im Salzburger Heimatwerk erhältlich
Seidenhanddruck Modehanddruck - Christiane Eder
Mautner Drucke - Martina Reischauer

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